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Kostengünstiger Wohnungsbau
Im Jahr 1996 veröffentlichte die Forschungsgesellschaft für
Wohnen, Planen und Bauen eine Studie "Leistbare Wohnungen".
In Wien wurden etwa zur gleichen Zeit die Bauträgerwettbewerbe eingeführt
und man erwartete sich davon Kostenreduktionen durch Kampfpreise, so dass
sich ein Eingehen auf die Vorschläge der Studie scheinbar erübrigte.
Aufgrund der Baukostenentwicklung hat das Thema aber seine Wichtigkeit
erhalten.
In der Folge erteilte die Wiener Wohnbauforschung im Sommer 2007 dem ÖIAV
den Auftrag die Studie aus 1996 auf die Gültigkeit ihrer Inhalte
zu untersuchen sowie weitere bezughabende Literatur zu suchen und auszuwerten.
Zur Vorgangsweise
Bauträger, Architekten und andere informierte Personen wurden eingeladen
an dem Projekt mitzuwirken.
Zunächst wurden die Vorschläge aus 1996 reevaluiert. Aufgrund
der manchmal unterschiedlichen Grundhaltung von Bauträgern und Architekten
gibt es nicht in allen Punkten einhellige oder mehrheitlich Zustimmung
oder Ablehnung.
Eine Quelle neuer Erkenntnisse - oder der Bestätigung von schon Bekanntem
- sind ausgeführte Objekte. Die Anfrage bei Architekten, Bauträgern
und sonstigen am Bau beteiligten Personen fand jedoch fast keinen Widerhall.
Im Internet wurden neben Literaturhinweisen die Websites einiger in- und
ausländischer Architekturbüros gefunden, die Referenzprojekte
geplant haben. Auch hier waren die angeschriebenen Büros wenig kooperativ.
Es wurden daher schließlich als Beispiele vor allem Projekte gewählt,
die in der Literatur als jeweils relativ kostengünstig identifiziert
werden konnten. Die Beispielsammlung enthält Beispiele von ausgeführten
Objekten in Österreich, Deutschland und den Niederlanden sowie Projekte
aus den Wiener Bauträgerwettbewerben 2006.
Bemerkenswert ist, dass keine Quelle angeben konnte, worauf die günstigen
Herstellungskosten "ihres" Projekts zurück zu führen
sind. Dies wird als Bestätigung der Aussage verstanden, dass sich
die Ersparnisse nur als Summe vieler kleiner Einzelmaßnahmen ergeben
und dass daher auch kleine Möglichkeiten ausgenützt werden sollen.
Wie bereits erwähnt wurden Bauträgerwettbewerbe in Wien als
ein Mittel zur Kostenreduktion eingeführt. Derzeit gibt es von mehreren
Seiten Kritik an der Durchführung. Im Rahmen der vor-liegenden Studie
konnte eine Publikation über die Bauträgerwettbewerbe 2006 ausgewertet
werden. Die Ergebnisse der kritischen Analyse wurden, unabhängig
von der vorliegenden Stu-die, in einem eigenen Memorandum dem Wohnungsstadtrat
im Wiener Magistrat übergeben.
Die Arbeit wurde Ende 2007 im Wesentlichen fertiggestellt. Anfang 2008
erfolgen noch einige redaktionelle Überarbeitungen und Ergänzungen.
Inhaltliche Zusammenfassung
Die Aussagen aus 1996 haben ihre Gültigkeit im wesentlichen bewahrt.
In wenigen Fällen haben sich Randbedingungen so verändert, dass
die alten Vorschläge nicht mehr aktuell oder anders zu beurteilen
sind.
Die neue Sammlung von Vorschlägen zur Kosteneinsparung ist in folgende
Abschnitte unterteilt: Allgemeines, Bebauungsplanung, Entwurfsannahmen/Gebäude,
Baustoffe und Bauweisen, Ausbau, Außenanlagen, Sonderproblem Garagen
und Nichtwirtschaftliche Ergebnisse.
Vielen Vorschlägen aus den Studien und aus der Literatur stehen die
Forderungen nach der Einhaltung von Mindestanforderungen, die nicht unterschritten
werden sollen, gegenüber. Diese Mindestanforderungen sind einerseits
Ansprüche an die Wohnqualität, die in der Regel von Ar-chitekten
vertreten werden oder Mindest-Ausstattungsstandards, die in der Regel
von den Bauträgern gefordert werden.
Schon bei der Studie 1996 zeigte sich, dass man bei der Beschäftigung
mit Verbilligungsmöglichkeiten auch andere Grenzen der Verbilligung
berücksichtigen muss. Die Grenzen ergeben sich aus rechtlichen, umweltrelevanten
und sozialen Erwägungen aber auch aus Qualitätsansprüchen,
v.a. auf dem Gebiet der Gestaltung.
Die Vorschläge setzen sich aus noch aktuellen Vorschlägen aus
1996 zusammen (die Mehrheit) und aus Hinweisen aus dem Literaturstudium.
Aus den verschiedenen geführten Gesprächen hat sich kein zusätzlicher
Vorschlag ergeben.
Unter den Vorschlägen findet sich nur wenige, die allein für
die Kosteneinsparung von entscheidender Bedeutung sind. Es wurde auch
keine Bauweise gefunden, die immer und überall die kostengünstigste
ist. Es muss also im Einzelfall der Planung und Errichtung von Wohnbauten
untersucht werden welcher der über 150 Vorschläge im konkreten
Fall etwas "bringen" kann.
Die aktuellen Vorschläge sind am Besten als Checkliste für Planer,
Prüfer und Bewerter einsetzbar
In den aktuellen Vorschlägen finden sich also solche (wieder) die
nur geringe Einsparungen bringen, wie z.B. den Entfall von Stellungsanzeigern
in Aufzügen. Wir haben auch solche, unbedeutend scheinende, Vorschläge
aufgenommen, ob sie nun einhellige oder überwiegende Zustimmung erhielten
oder nicht. Dafür war die Überzeugung ausschlaggebend, dass
eine spürbare Kostenreduktion im Wohnungsbau eher nur durch eine
Summe geringfügiger Einsparungen erzielbar ist.
Besondere Bemerkungen
Von allen Seiten wird eine "qualitätsvolle Architektur"
gefordert. Wenn damit Grundrissgestaltung oder Detailbearbeitung gemeint
sind, stößt dies auf einhellige Zustimmung. Bezüglich
der architektonischen Gestaltung der Baukörper und ihrer Schauseiten
gibt es einerseits die Forderung der Architekten nach Gestaltungsfreiheit
andrerseits die Forderung nach einer "Ästhetik der Einfachheit".
In der Gestaltung des Freiraumes um Wohnbauten liegt laut derzeitiger
Baupraxis kein Sparpotential. Im Gegenteil wird bemängelt, dass die
Gestaltung der Freiräume in der Regel jämmerlich ist, da in
den knappen und/oder bereits überzogenen Baubudgets für eine
bessere Ausgestaltung kein Geld mehr verfügbar ist. Die "sparsame
Gestaltung" wird nicht nur aus ästhetischen Gründen bedauert,
sondern auch weil der Zustand und die Nutzbarkeit des Freiraumes Teil
der Wohnqualität sind und ein Verkaufsargument darstellen.
Um den Wohnungsbedarf finanziell schwacher Schichten ohne Überbeanspruchung
der Subjektförderung zu sichern, wäre die Errichtung von Billig-
oder Einsteigerwohnungen ein adäquates Mittel. Derzeit überwiegt
die Angst vor einem Zweiklassenwohnen. Ein Mehrklassenwohnen ergibt sich
aber schon heute durch unterschiedliche Rechtsformen, Mietengestaltungen
und Wohnungsformen und -größen, sogar innerhalb des geförderten
Wohnungsbaues.
Ein ähnlicher Streitpunkt ist ob Sparausstattung und spätere
Nachrüstung vertretbar oder gar anzustreben ist, d.h. Wohnbauten
bei ihrer Errichtung - wenn die Wohnungswerber noch finanziell schwach
sind - sparsam auszustatten und später individuell oder gemeinsam
mit besseren Materialien nachzurüsten.

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