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Wissenschaftliche Begleitung der Produktionsphase
der Holzbauprojekte "Mühlweg"
Einleitung
Mit der Novellierung der Wiener Bauordnung im Jahr 2001 wurde die Voraussetzung
für den mehrgeschoßigen Bau in Holz- und Holzmischbauweise in
Wien geschaffen. Diese Bauweisen stellen am Wiener mehrgeschoßigen
Wohnungsmarkt eine Neuheit dar. Mit dem Bauträgerwettbewerb "Holz-
und Holzmischbauweise" hat die Stadt Wien im 21. Bezirk drei Grundstücke
zur Verfügung gestellt, um der Bauweise einen Impuls zu geben. Gerade
im urbanen Umfeld ist die Kombination von Holzelementen mit mineralischen
Bauteilen eine zukunftsträchtige Bauweise. Die Möglichkeiten der
Vorfertigung und die dadurch verkürzte Bauzeit, die geringe Baurestfeuchte,
sowie die ökologischen Vorteile des Holzbaus werden in Zukunft in der
Stadt eine immer größere Rolle spielen.
Da kaum Erfahrungen mit der großvolumigen Holz-Mischbauweise vorliegen,
wurde die Holzforschung Austria, die sich in den letzten Jahren intensiv
mit der Thematik beschäftigte, von der MA50 beauftragt, die drei Gewinnerteams
technisch zu unterstützen.
Problemstellung
Die drei Gewinnerpilotprojekte wurden im Rahmen eines von der Wohnbauforschung
geförderten Projektes während der Planungsphase durch die Holzforschung
Austria betreut. Die prestigeträchtigen Wiener Pilotprojekte sollen
eine zukunftsweisende Alternative für den herkömmlichen Wiener
Wohnbau aufzeigen und qualitativ auf höchstem Niveau bei gleichzeitig
akzeptierten Kosten ausgeführt werden. Zur Sicherung eines hohen Qualitätsstandards
der Objekte des Bauträgerwettbewerbs während der Umsetzung sollten
die mit den Holzbauarbeiten betrauten Firmen und deren Subunternehmer bestmöglich
betreut werden.
Im Osten Österreichs hat der Holzbau im Bereich des Geschoßbaus
noch eine geringe Verbreitung. Die drei beauftragten Holzbaubetriebe Schertler
Alge, Sohm Holzbau und KLH/Kulmer kommen aus der Steiermark bzw. aus Vorarlberg
und können zwar Erfahrungen im Holzwohnbau vorweisen, das Problem liegt
allerdings im Zusammenspiel der gesamten Gewerke inklusive der Subunternehmer,
wie Installateure, Elektriker etc., die möglicherweise noch nicht in
dem erforderlichen Ausmaß mit der Spezifika des Holzbaus vertraut
und eine andere Baukultur gewohnt sind.
Zur Gewährleistung der Ausführungsqualitäten vor Ort wurden
schallschutztechnische Messungen der Trennbauteile und Untersuchungen der
Gebäudehülle durchgeführt. Dadurch könnten in den sensiblen
Bereichen der Detailausbildungen bei Knoten bzw. Durchdringungen und Schächten
Fehlstellen frühzeitig erkannt und saniert werden.
Durchführung
Die Arbeiten im Rahmen des vorliegenden Projektes gliedern sich in folgende
Bereiche:
Die Qualität und der Umfang der Arbeiten in der angeführten
Produktionsphase ist wesentlich von der Bereitschaft und Kooperation der
Bauträger bzw. deren Teams und der zur Verfügung gestellten
Unterlagen abhängig. Unterschiedliche Bearbeitungstiefen der drei
Projekte sind möglich. Aus diesem Grund werden die Ergebnisse der
technischen Betreuungen und der durchgeführten Überwachungen
über alle drei Objekte anonymisiert im Gesamtbericht im Abschnitt
4 zusammengefasst. Die Ergebnisse der Untersuchungen zur Dichtheit der
Gebäudehülle werden im Gesamtbericht im Abschnitt 5 und die
Ergebnisse der schallschutztechnischen Untersuchungen im Abschnitt 6 aufgezeigt.
Diese Abschnitte werden aufgrund der Brisanz der Themenstellung mit einer
kurzen Literaturanalyse erweitert.
Wissenschaftliche / technische Betreuung und
Überwachung der holzbaurelevanten Bereiche in Produktion und Montage
Dieser Bereich beinhaltete die Betreuung und Überwachung der holzbaurelevanten
Bereiche während der Produktion und der Montage. Es wurden pro Objekt
mindestens zwei umfangreiche Überwachungen in den Punkten Konstruktion,
Bauphysik und Baustatik durchgeführt. Zusätzlich erfolgte die
Kontrolle der Werkplanung in Hinblick auf Konstruktion, Bauphysik und
Baustatik.
Dichtheit der Gebäudehülle
In diesem Teilbereich erfolgten stichprobenweise Messungen der Luftdichtheit
der Gebäudehülle und eine Infrarot-Thermografie der relevanten
Detailausbildungen.
Schallschutz der Trennbauteile
In diesem Teilbereich werden Untersuchungen des Trittschallschutzes der
Wohnungstrenndecke und des Luftschallschutzes der Wohnungstrennwand bei
einer Musterwohnung je Bauplatz durchgeführt.
Zusammenfassung und Ausblick
Im Auftrag der Wohnbauforschung wurden die drei Pilotprojekte des Bauträgerwettbewerbes
"Holz bzw. Holz-Mischbauweise" von der Holzforschung Austria
während der Umsetzung begleitet und betreut. Dabei erfolgten neben
einer wissenschaftlichen / technischen Betreuung und Überwachung
der holzbaurelevanten Bereiche während der Produktion und der Montage,
Untersuchungen zum Schallschutz der Trennbauteile und zur Ausführung
der Gebäudehülle.
Im Rahmen der Begleitungen wurden Holzqualität, Holzfeuchte, Baustoffwahl,
Bauteilaufbauten, Einhaltung bauphysikalischer und statischer Vorgaben
sowie konstruktive Ausführung überprüft. Als Grundlage
dienten hierzu neben den gesetzlichen Vorgaben die Angaben der einzelnen
Fachplaner, wie Bauphysiker und Statiker. Da die Bereitschaft zur Kooperation
unterschiedlich war, konnte auch die Begleitung bei den einzelnen Objekten
nicht im gleichen Ausmaß durchgeführt werden. Die Prüfungen
und Überwachungen erfolgten stichprobenweise.
Festgestellte Abweichungen wurden den
ausführenden Betrieben aufgezeigt und gemeinsam eine Sanierung erarbeitet.
Es zeigte sich, dass ein Großteil der Abweichungen auf Subunternehmer
entfällt, die zum Teil noch nicht über das entsprechende Holzbau
Know-how verfügen. Elektriker, welche z.B. die Bedeutung einer brandabschnittsbildenden
Trennwand nicht kennen, können durch unkontrollierte Kabelführungen
am Objekt und der gesamten Holzbaubranche Schäden zu fügen.
Die schallschutztechnischen Untersuchungen der Trennbauteile wurden von
der Holzforschung Austria und dem TGM durchgeführt, wobei bei allen
Messungen die gesetzlichen Anforderungen erfüllt wurden. Durch die
Begleitung während der Montage konnten frühzeitig Ausführungsmängel,
welche die schallschutztechnischen Eigenschaften wesentlich beeinflusst
hätten, verhindert werden. Es handelte sich im vorliegenden Fall
um mangelhafte Befestigungen von schalltechnischen Lagern und Durchdringungen
durch Trennbauteile.
Bei den Objekten der Bauplätze A und B wurden im Rahmen des Projektes
stichprobenweise Untersuchungen zur Luftdichtheit der Gebäudehülle
mittels Blower-door Messungen durchgeführt. Die aufgrund der Passivhausbauweise
erforderlichen umfangreicheren Messungen am Bauplatz C waren nicht Bestandteil
des vorliegenden Projektes. Sie wurden im Auftrag des Bauträgers
durchgeführt. Bei allen Messungen konnten die Anforderungen erfüllt
werden. Zum Teil waren vereinzelt noch Nachbesserungsarbeiten notwendig,
die auch in den Wohnungen, wo keine Messungen erfolgten, berücksichtigt
wurden.
Bei der begleiteten Unterstützung der Projekte von der Planung bis
zur Fertigstellung konnten die Ergebnisse aktueller Forschungsarbeiten
und die Erfahrungen aus der Überwachungstätigkeit einfließen.
Durch die externe Betreuung und Überwachung konnten Mängel infolge
von Verarbeitung, Betriebsblindheit und Kommunikationsproblemen unter
den einzelnen Gewerken, wie sie im gesamten Bauwesen auftreten, verhindert
werden. Es zeigte sich, dass bei den Subunternehmern zum Teil noch ein
Know-how Bedarf hinsichtlich der holzbautechnischen Eigenheiten gegeben
ist.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass nicht zuletzt durch die
guten Planungsteams, die professionellen Holzbauunternehmen und die Begleitung
durch die Holzforschung Austria drei qualitativ hochwertige Projekte realisiert
werden konnten. Die Stadt Wien konnte ein europaweit einzigartiges städtisches
Holzbauprojekt in die Tat umsetzen und somit einen richtungsweisenden
Weg für den Wohnbau in den städtischen Randzonen aufzeigen.

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