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Projektträger
PlanSinn - Büro für Planung und Kommunikation GmbH &
CoKEG
Gebietsbetreuung Favoriten
Projektleitung/Bearbeiter
Johannes Posch
Stefan Arlanch
Laufzeit
Juli 2004 bis Dezember 2006
Kontakt
johannes.posch plansinn.at
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Abstract
(104 KB, pdf)
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Projekt "ANKER 10" - für gelebte
Nachbarschaft im Stadtteil
Zur Situation der Ankerbrotgründe
ANKER 10 wirkte über einen Zeitraum von 3 Jahren in einer städtischen
Wohnhausanlage im Nordosten des 10. Wiener Gemeindebezirks Favoriten.
Der Mitte der 80er Jahre erbaute Gebäudekomplex mit etwa 800 Wohnungen
und 2500 Bewohner/innen ist in Struktur und Problemlage vergleichbar mit
vielen anderen städtischen Wohnhausanlagen in Wien. Die Wohnzufriedenheit
der Bewohner/innen ist, wie auch im Film sichtbar wird, sehr unterschiedlich.
Es gibt viel Licht, aber auch viel Schatten. Positiv vermerkt wurden die
gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, Größe
und Helligkeit der Wohnungen, das Vorhandensein eines Naherholungsgebiets,
aber auch die Lebendigkeit in der Anlage. Kritik bezog sich zumeist auf
die Architektur und die in der Anlage wohnenden Menschen. Vielfältige
Interessenskonflikte überlagern - bedingt durch eine räumlich
enge Nachbarschaft und beschränkte Ressourcen an öffentlichem
und halböffentlichem Raum - das Wohlbefinden in der Anlage. Unterschiedliche
Lebensstile und kulturelle Differenzen zwischen autochthonen und allochthonen
Bewohner/innen vermischen sich mit Nutzungs- und Generationenkonflikten.
Unzureichende beiderseitige Sprach- und Kulturkenntnisse führen zu
Kommunikationsproblemen und Missverständnissen.
Ein verstärkter Zuzug von Bewohner/innen migrantischer Herkunft wird
von vielen Alteingesessenen als bedrohlich empfunden und als gezielte
Besiedelungspolitik der Hausverwaltung gedeutet. Diese fühlen sich
dadurch noch mehr in ihrem Gefühl, von Politik und Verwaltung im
Stich gelassen zu werden, bestätigt. Frustrationen und Fatalismus
führen infolgedessen zu einer geringen Identifikation mit der Siedlung
und wenig Eigenengagement um sich aktiv in Gestaltungsprozesse einzubringen.
Die häufig in Gesprächen geäußerten Klagen über
die schlechten Wohnbedingungen in den Ankerbrotgründen sind oft unterlegt
mit der vermeintlichen Wahrnehmung ihrer prinzipiellen Unveränderbarkeit.
Manche Bewohner/innen schwanken in ihrer Haltung zwischen Frustration
und Resignation. Jedes Angebot, jede Initiative wird unmittelbar als vergeblich
und illusorisch abgewertet. Die Erfahrungen mit missglückten und
fehlgeschlagenen Veränderungsversuchen in der Vergangenheit haben
eine negative Erwartungshaltung aufgebaut, die oft tatsächlich in
eine selffullfilling prophecy umschlägt. Dadurch fehlen oft der lange
Atem und die Geduld, Rückschläge wegzustecken und das Ziel nicht
aus den Augen zu verlieren.
Neben einer negativen Grundstimmung sind wir immer wieder auch auf eine
Haltung gestoßen, sich nicht mit den Gegebenheiten abfinden zu wollen.
Einige Bewohner und Bewohnerinnen haben sich in Netzwerken engagiert,
haben ihre persönliche Betroffenheit in den Dienst der Gemeinschaft
gestellt. Die Ergebnisse, die im vergangenen Jahr erreicht werden konnten,
unterstreichen dies.
Ziele und Arbeitsweise des Projekts
Ausgehend von den Interessen, Ideen und Möglichkeiten der Bewohner/innen
sollten positive, spürbare und vor allem nachhaltige Veränderungen
erreicht werden. Das Projektteam von "ANKER 10" arbeitete eng
mit den im Stadtteil tätigen politischen und sozialen Institutionen
zusammen, um möglichst effektive und tatsächlich im Interesse
der Bewohner/innen liegende Veränderungen zu erreichen.
Kurz zusammengefasst wurden folgende Ziele für das Projekt
formuliert:
Um die definierten Ziele erreichen zu können, wendete das Projektteam
eine Mischung unterschiedlicher Methoden an.
In einem ersten Schritt näherte sich das Projektteam dem Zielgebiet
bzw. den Menschen im Zielgebiet, sowie den Problemen und Stärken
im Gebiet anhand Experten- und Expertinnengesprächen mit Multiplikatoren
(Bezirksräte, Vereine, ehemaliger Wiener Integrationsfonds, Hausbesorgern,...)
Dabei ging es einerseits darum, wichtige Kontakte im Stadtteil zu knüpfen,
Vertrauen aufzubauen, Multiplikatoren von Beginn an mit einzubeziehen
und Defizite als auch Ressourcen im Gebiet zu identifizieren. Dabei versuchten
wir, die Haltung und die Techniken der "Aktivierenden Befragung"
einzusetzen: Die Anliegen und Sorgen wurden ernst genommen, über
eine Plattform sollte die Möglichkeit bestehen, Unmut zu äußern,
aber auch Probleme konstruktiv zu bearbeiten.
Eine Methode, mit den Bewohner/innen in Kontakt zu treten, wurde durch
den Film geschaffen, und zwar auf zweifache Weise. Einerseits durch die
Interviews, andererseits durch die Vorführung des Films.
Welche - vor allem nachhaltigen - Veränderungen
sind realistisch möglich?
Mit den vorhandenen Ressourcen können zwar insular Zonen der verbesserten
Kommunikation geschaffen und die Erweiterung bestehender Angebote initiiert,
jedoch nicht die Probleme gelöst werden, deren Ursachen außerhalb
des Sozialraums Ankerbrotgründe zu suchen sind . Wenn die zum Teil
vielfältigen und massiven Problemlagen in Rechnung gestellt werden,
mit denen nicht wenige Bewohner und Bewohnerinnen in der Anlage zu kämpfen
haben, und andererseits beschränkten Ressourcen bedacht werden, dann
muss sich dies zwangsläufig in einer Bescheidenheit in den Zielen
niederschlagen. Dies bedeutet jedoch keineswegs vor der Macht der schwierigen
Umstände zu kapitulieren. Es gilt, Verantwortung und Verantwortlichkeiten
realistisch auszumachen. Arbeitslosigkeit stellt in Zeiten globalisierten
Wirtschaftens sogar den Staat vor eine gewaltige Herausforderung, genauso
ein lokales Gemeinwesen. Die Folgen innerfamiliärer und psychischer
Problemlagen können durch einen gemeinwesenorientierten Ansatz nicht
beseitigt werden. Trotzdem schafft die Möglichkeit, die den Bewohnern
und Bewohnerinnen im Rahmen des Projekts gegeben wurde, Inseln des Austauschs
und Möglichkeitsräume für individuelles und gemeinschaftliches
Engagement und Veränderungen im Kleinen, sowie die Stärkung
der Interessensvertretung der lokalen Bevölkerung und horizontaler
wie vertikaler Austauschprozesse.
Bisherige Erfolge bei Anker10 (Auswahl)
ANKER 10 - der Film
In einer Kooperation zwischen dem Medienzentrum Wien, dem Schauspieler
und Performer Thomas Wackerlig und dem Projektteam von Anker 10 wurde
aus den Mitteln des Projektbudgets zwischen Mitte März und Mitte
Mai der Film "ANKER 10" gedreht. Dieser Film stellt eine aus
insgesamt 96 Interviews gewonnene verdichtete Zusammenschau unterschiedlichster
Realitäten dar und ist ähnlich subjektiv wie die Schilderungen
der Bewohner und Bewohnerinnen im Film.
"Wie lebt es sich in den Ankerbrotgründen?" Um dies herauszufinden,
machte sich der Performer Thomas Wackerlig zusammen mit Sonja Gruber von
PlanSinn in die Wohnhausanlage Ankerbrotgründe auf, um dort mit unterschiedlichsten
Menschen aus der Anlage ins Gespräch zu kommen.
Mit Hilfe der gespielten Kunstfigur "Hofrat Abseits", der aus
seinem "Beamtendasein" ausbricht, um zu erfahren, wie der Alltag
in den verschiedensten Vierteln Wiens aussieht, wurde der Erstkontakt
zu einzelnen Personen, aber auch zu Personengruppen in der Siedlung aufgenommen.
Alle Beteiligten wurden über die Videoaufnahmen aufgeklärt und
nur mit deren Einverständnis, die Aufnahmen für den Film zu
verwerten und innerhalb der Anlage zu gegebenen Anlässen vorzuführen,
gefilmt.
Die Kunstfigur Hofrat Abseits stellt in der Form ein aktivierendes und
die Situation entspannendes Element dar, als er zwar versucht, durch beamtlichte
Kompetenz Respekt auszustrahlen, gleichzeitig aber durch seine etwas ungeschickte,
naiv-kindliche Art die Situation humorvoll auflockert und so die Menschen
animiert, sich auf ein kommunikatives Spiel einzulassen. Bei den Reportagen
in der Ankerbrotsiedlung wurden die Charakteristiken der Kunstfigur eher
sparsam eingesetzt. Grundsätzlich standen das Interesse und die Neugier
gegenüber der Bevölkerung im Vordergrund.
Das Filmteam war an insgesamt fünf Drehtagen verteilt über zwei
Monate ausschließlich im öffentlichen Raum unterwegs und versuchte,
SiedlungsbewohnerInnen zu animieren, sich über ihre persönliche
Sicht der Wohnhausanlage zu äußern.
Der Film - und dazu zählen die Produktion mit den Interviews, die
Einladung zur Vorführung und schließlich die Vorführung
selbst - beinhaltet verschiedene synergetische Nutzungsstränge. Es
wurden zunächst durch die Interviews die Gesprächspartner aktiviert,
sich über die eigene Lebenssituation in der Anlage, aber auch die
in ihr wohnenden Menschen zu äußern. Dies betrifft in gewisser
Hinsicht auch diejenigen, die zwar nicht direkt befragt wurden, aber in
das Interviewsetting miteinbezogen waren. Wer was zu sagen hat, gar wenn
man diese Person persönlich kennt, macht neugierig.
Des Weiteren wurden durch die Interviews, d.h. durch das real sich in
der Anlage bewegende Filmteam, aber auch durch das Ensemble an Berichten
und Erzählungen der Interviewten und Beteiligten an deren Freunde
und Bekannte eine Siedlungsöffentlichkeit erzeugt.
Diese Siedlungsöffentlichkeit wurde noch einmal verstärkt durch
die Vorführung des Filmes. Sich selbst zu sehen, von anderen gesehen
zu werden, andere Bekannte wiederum zu sehen, sollte - so die Annahme
des Projektteams - ein starkes Motiv sein, zu einer Vorführung zu
kommen.
BewohnerInnen-Netzwerke
Eine Reihe von BewohnerInnen-Netzwerken wurden aufgebaut, die überwiegend
eigenständig an Verbesserungsmöglichkeiten des Lebensumfeldes
in der Wohnhausanlage arbeiten.
Z.B. Netzwerk Hobbyräume: ein nachbarschaftliches Netzwerk hat die
Wiederöffnung von derzeit vier Hobbyräumen für alle BewohnerInnen
an den betreffenden Stiegenhäusern erreicht. Eine Bewohnerin verwaltet
die Schlüssel, die Initiative hat Benutzungs-Regeln aufgestellt,
die eine langfristige gedeihliche Nutzung gewährleisten soll.
Z.B. Netzwerk "Sauberkeit": Die BewohnerInnen an einem bestimmten
Stiegenhaus sind schon längere Zeit unzufrieden mit der Wartung und
Reinigung der Stiege und des Umfeldes. Um einen Impuls zu geben, reinigten
Sie allgemeine Bereiche des Stiegenhauses kurzerhand selbst. Derzeit arbeitet
die Initiative an der Verbesserung des optischen Erscheinungsbildes der
Stiege und des Eingangsbereiches in Kooperation mit der Hausverwaltung
Wiener Wohnen.
Z.B. Netzwerk HausbesorgerInnen: In der Wohnhausanlage arbeiten derzeit
10 HausbesorgerInnen. Sie haben neben formal festgelegten Pflichten auch
viele kommunikative und nachbarschaftliche Aufgaben zu erfüllen.
Zudem kennen Sie die Verhältnisse und Möglichkeiten in der Wohnhausanlage
besonders genau. Mit ihnen werden in einer Art Stammtisch aktuelle Probleme
erörtert und Lösungswege gesucht. Wichtige Themen bisher waren
der Umgang mit Jugendlichen, die Lärmsituation und der Zustand der
Außenanlagen.
Schwerpunkte
Das Projektteam beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit
dem Zusammenleben zwischen MigrantInnen und Alteingesessenen. Zu diesem
Zweck führte das Projektteam Interviews in Wohnungen an verschiedenen
Stiegenhäusern der Anlage. In weiterer Folge wurden BewohnerInnen
stiegenbezogen in Veranstaltungen zusammengeführt, um gemeinsam Veränderungsmöglichkeiten
zu erörtern.
Die Bezirksvorstehung Favoriten beabsichtigte den neben der Siedlung befindlichen
Park jugendgerechter auszustatten. Dabei flossen Anliegen der Jugendlichen
aus der Wohnhausanlage in die Planung ein.

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